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Die Geschichte der Stadt

Burgstraße um 1820 (Deutschordensmuseum/Mörike Kabinett)

Burgstraße um 1820
(Deutschordensmuseum/Mörike Kabinett)

Geographisch reizvoll, eingebettet in den großartigen Rahmen der Hohenloher Landschaft, liegt im Mittleren Taubertal die Große Kreisstadt Bad Mergentheim.

 

Das Gebiet um Bad Mergentheim ist uraltes Siedlungsgebiet. Funde aus der Jungstein-, Bronze- und Eisenzeit belegen dies. Kelten, Alemannen und Franken haben hier gesiedelt. Urkundlich wird der Name Mergentheim erstmals 1058 als “Grafschaft Merginthaim im Taubergau“ erwähnt. Seit Ende des 12. Jahrhunderts war der Johanniterorden in Mergentheim ansässig. Im 13. Jahrhundert kamen der Deutsche Orden und der Dominikanerorden nach Mergentheim.

 

Durch die Tätigkeit der drei Orden gewann Mergentheim an Bedeutung. Der ursprüngliche, fast rein bäuerliche Charakter der Bevölkerung weitete sich zur handwerklichen und gewerblichen Tätigkeit. Aus Mergentheim wurde ein beachtlicher Marktflecken, der am 2. Juli 1340 von Kaiser Ludwig dem Bayer zur Stadt erhoben wurde.

 

 

Zwillingshaus am Marktplatz

Als 1525 die Bauern die Burg Horneck, die bisherige Residenz des Deutschmeisters zerstörten, wurde die Kommende Mergentheim neuer Sitz des Deutschmeisters. Zwei Jahre später, nach dem Verlust des preußischen Ordenslandes, amtierte der Deutschmeister auch als “Administrator des Hochmeisters in Preußen“. Damit wurde Mergentheim Residenz des Hoch- und Deutschmeisters. In den folgenden Jahrhunderten entfaltete der Orden eine reiche Bautätigkeit in der Stadt.

 

Im Jahre 1809 fand die Residenzherrlichkeit ein jähes Ende. Durch Befehl Napoleons wurde das Ordensgebiet Mergentheim mit der Krone Württembergs vereinigt. Mergentheim wurde Württembergische Oberamtsstadt, sank aber zu einem unbedeutenden Landstädtchen ab. Die Bevölkerung ging auf 3.000 Einwohner zurück.

 

Wiederentdeckung der Heilquellen

Quellenhäuschen

Gesicherten Erkenntnissen nach waren die Bittersalzquellen schon in der Bronzezeit bekannt. Durch Naturereignisse wurden die Quellen verschüttet und fielen für 3.000 Jahre der Vergessenheit anheim. Es war am 13. Oktober 1826, als der Schäfer des Johanniterhofes, Franz Gehrig, seine Herde rechts der Tauber weidete. Da bemerkte er, daß sich seine Schafe um eine Sickerstelle drängten. Vorsichtig kostete der Schäfer von dem Wasser - es schmeckte bitter und salzig. Gehrig meldete seinen Fund beim Stadtschultheißen Kober auf dem Rathaus. Dieser besichtigte noch am selben Tag mit Stadträten und dem Oberamtsarzt Christan Friedrich Bauer die Quelle. Sie benachrichtigten das Oberamt und veranlaßten die ersten Untersuchungen. Das Gutachten ergab, daß das Wasser mit dem damals schon berühmten Kissinger Wasser vergleichbar sei.

 

Am 23. Juni 1829 begann die erste Mergentheimer Kursaison. Aus bescheidensten Anfängen heraus entwickelte sich im Laufe der Zeit der Kurbetrieb, der die Stadt mehr und mehr prägte. Zur Hundert-Jahr-Feier der Quellentdeckung erhielt die Stadt am 2. August 1926 das Prädikat “Bad“; von da an lautete ihre amtliche Bezeichnung “Bad Mergentheim“. Der Ausbruch des II. Weltkrieges brachte für den Kurbetrieb einen gewaltigen Rückschlag. Bad Mergentheim wurde Lazarettstadt. Diesem Umstand hat es Bad Mergentheim aber auch zu verdanken, daß es bei den schweren Kämpfen im Taubertal von Beschuß und Fliegerangriffen fast ganz verschont blieb. Bei Kriegsende wurden alle Hotels, Kurpensionen und viele Privathäuser beschlagnahmt.

 

Erst 1953 wurde nach zähen Verhandlungen ihre Freigabe erreicht. In der Folgezeit konnte die Kur- und Badestadt einen anhaltenden Aufschwung und einen stetigen Anstieg der Kurgastzahlen verzeichnen. Ein Gipfelpunkt wurde mit ca. 1,4 Millionen Übernachtungen bei 6.000 Gästebetten im Jahre 1972 erreicht. Danach erfolgten wegen allgemeiner Rezession Rückgänge bei den Gäste- und Übernachtungszahlen. Obwohl sich in der Folgezeit die Rahmenbedingungen aufgrund weiterer gesetzgeberischer Restriktionen (Gesundheitsreform) verschlechterten, konnte die Badestadt ihre Position als “Übernachtungsmillionärin“ wieder von 1987 bis 1995 behaupten. Mit über 100.000 Gästen und über 900.000 Übernachtungen im Jahr 2001 kommt Bad Mergentheim nach wie vor der Rang des größten Heilbades in Baden-Württemberg zu.

 

In Bad Mergentheim werden vorwiegend Stoffwechselstörungen behandelt. Die Heilanzeigen der Kur sind: Krankheiten der Gallenblase und der Gallenwege, der Leber, der Bauspeicheldrüse, des Magens und Darmes, Diabetes, Übergewicht, Verstopfung, Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates sowie Hautkrankheiten. Den Heilungsuchenden stehen fünf Mineralquellen zur Verfügung. Die Kuren werden nach ärztlicher Verordnung als Trink- oder Badekur durchgeführt. Unterstützend werden physikalische Maßnahmen wie Bäder, Fangopackungen und Massagen angewandt.

 

Kurzer Einblick in Bad Mergentheims Geschichte


1058 Mergentheim wird erstmals urkundlich als »Grafschaft Merginthaim im Taubergau« erwähnt

1207 Johanniterorden erhält von Albert von Hohenlohe die Pfarrkirche mit ihren Rechten und Einkünften

1219 Mergentheim wird eine Kommende des Deutschen Ordens

1250 - 1290: Bau der Münsterkirche  zu St. Johannes dem Täufer

1320 Bau der Marienkirche

1340 (2. Juli) Stadterhebung durch Kaiser Ludwig den Baier

1355 Kaiser Karl IV gestattet dem Deutschen Orden die Einrichtung einer Münzstätte in Mergentheim

1525 Mergentheim wird Residenz des Deutsch- und Hochmeisters (ab 1527)

1546 Hoch- und Deutschmeister Wolfgang Schutzbar, gen. Milchling, lässt erste Wasserleitung legen

1562 - 1564 Bau des Rathauses unter Deutschmeister Wolfgang Schutzbar

1568 - 1628: Umbau der gotischen Wasserburg im Stil der Renaissance zum Residenzschloss

1628 Bau des Kapuzinerkloster durch Hoch- und Deutschmeister Kaspar von Stadion. Es wird 1631 von den Schweden niedergebrannt und 1635-1637 wieder neu aufgebaut.

1730 - 1736 Bau der neuen Schlosskirche

1809 (24. April) Durch Befehl Napoleons wird das Ordensgebiet Mergentheim mit der Krone Württembergs vereint

1826 Schäfer Franz Gehrig entdeckt die spätere Wilhelmsquelle an der Tauber

1854 (11. Mai) Ottmar Mergenthaler, Erfinder der Linotype-Setzmaschine, wird im Stadtteil Hachtel geboren

1926 Zur Hundertjahrfeier der Quellenentdeckung erhält Mergentheim das amtliche Prädikat »Bad«

1935 wurde die Wandelhalle eigeweiht

1953 Renovierung der Stadtpfarrkirche St. Johannes und 1983 Erhebung zum Münster

1962 Partnerschaft mit der französischen Stadt Digne-les-Bains

1990 Doppeljubiläum: 650 Jahre Stadterhebung und 800 Jahre Deutscher Orden

1992 Einweihung des Mittelstandszentrums Tauber-Franken

1992 Fahnenfreundschaft zwischen Bad Mergentheim und der japanischen Stadt Isawa wird besiegelt

1993 Einweihung der renovierten Wandelhalle im Kurpark

1996 Einweihung des umgebauten und erweiterten Deutschordensmuseums im Schloss

1997 Einweihung des umgestalteten Deutschordensplatzes

2001 Jubiläum 175 Jahre Quellenentdeckung

2002 40 Jahre Städtepartnerschaft mit Digne-les-Bains (F, Haute Provence)

2004 200. Geburtstag des schwäbischen Dichters Eduard Mörike,  Einweihung des Mörike-Kabinetts im Deutschordensmuseum

2004 150. Geburtstag des Erfinders der Linotype-Setzmaschine Ottmar Mergenthaler

 

 

Berühmte Mergentheimer


Matthäus Zehnder, Maler (*1641 - …1697)

Johann Adam Ehrlich, Orgel- und Instrumentenbauer (*1703 - …1784)

Hans-Heinrich-Ehrler, Dichter (*1871 - …1951)

Ottmar Mergenthaler, Erfinder der Linotype Setzmaschine (*1854 - …1899)

 

 

Berühmtheiten in Bad Mergentheim (Auszug)


Hochmeister Herrmann von Salza (1209 – 1239)

Kaiser Ludwig der Baier, deutscher Kaiser (1343 und 46)

Kaiser Karl IV. von Luxemburg, deutscher Kaiser (1357, 59, 65 und 78)

Baumeister Blasius Berwart, erbaute Berwart-Treppe im Deutschordensschloss (1574)

Kaiser Karl VI. von Österreich, deutscher Kaiser (1711)

Franz Joseph Roth (1716 – 1749), Hofmeister des Deutschen Ordens (ab 1735)

Hochmeister Clemens August von Bayern (1732 – 1761)

Ludwig van Beethoven, Komponist (1791)

Hochmeister Maximilian Franz von Österreich (1780-1801)

Kaiser Franz II. von Österreich-Lothringen, deutscher Kaiser (1792 und 1802)

Eduard Mörike, Dichter (1844 – 1851)

Bundespräsident Prof. Dr. Theodor Heuss (Kuraufenthalt im April 1956)


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